Finanzplatz Liechtenstein

Liechtenstein als Land

Das Fürstentum Liechtenstein liegt zwischen der Schweiz und Österreich und ist mit rund 160 km2 der viertkleinste Staat in Europa. Die Staatsform ist eine konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratischer und parlamentarischer Basis. Erbprinz Alois ist geschäftsführendes Staatsoberhaupt in der 14. Generation. Regiert wird das Land seit Jahrzenten durch eine Zweiparteien-Koalition.

Der Fondsplatz Liechtenstein

Liechtenstein ist ein unabhängiger Staat und Mitglied vieler internationaler Organisationen, wie dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zusammen mit der Europäischen Union, der europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), den Vereinten Nationen, des Europarates und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Durch die EWR-Mitgliedschaft profitiert Liechtenstein vom Europa-Pass und von der EU-Richtlinie für Alternative Investmentfonds Manager (AIFM) zur Verwaltung alternativer Investmentfonds (AIF) mit vielfältigen, weitgehend freien Strukturierungsmöglichkeiten.

Keine Steuerbelastung auf Fondsebene

Für die Erträge von Investmentfonds (AIFs, OGAWs/UCITS‘ und Investmentunternehmen nach liechtensteinischem Recht) fallen in Liechtenstein keine Ertragssteuern an. Dies bedeutet, dass Erträge aus Dividenden, Zinsen sowie auch realisierte- und nicht realisierte Kapitalgewinne auf Fondsebene nicht steuerpflichtig sind. Steuerpflichtig ist jedoch gegebenenfalls der einzelne Anleger, der die Fondserträge am Ort seiner unbeschränkten Steuerpflicht zu deklarieren hat.

Europaweiter Vertrieb durch „Europa-Pass“

Durch die Mitgliedschaft Liechtensteins im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) kann unter bestimmten Bedingungen ein einfacher und gleichgestellter Vertrieb im europäischen Markt gewährleistet werden.

Financial Engineering von Fonds

Ein Fondspromotor (Initiator) kann die Rechtsform seines Investmentfonds überwiegend frei wählen:

  • Investmentfonds (Vertragsform; „common contractual fund“, „CCF“, „C.C.F.“, „fonds commun de placement“, „FCP“ oder „F.C.P.“)
  • Kollektivtreuhänderschaft („Anlagefonds“, „unit trust“, „authorized unit trust“ oder „AUT“)
  • Investmentgesellschaft als Aktiengesellschaft, Europäische Gesellschaft, Anstalt oder Stiftung
    • mit variablem Kapital („open-ended investment company“, „OEIC“, „société d`investissement à capital variable“ oder „SICAV“)
    • mit fixem Kapital („closed-ended investment company“, „CEIC“, „société d`investissement à capital fix“ oder „SICAF“)
  • Anlage-Kommanditgesellschaft in personengesellschaftlicher oder kapitalgesellschaftlicher Ausprägung („Anlage-KG“, „limited partnership“ oder „L.P.“, „société en commandite de placements collectives“ oder „SCPC“)
  • Anlage-Kommanditärengesellschaft in personengesellschaftlicher oder kapitalgesellschaftlicher Ausprägung („Anlage-KommanditärenG“, „limited liability partnership“ oder „LLP“)

Darüber hinaus können Umbrella-Strukturen für mehrere Teilfonds gegründet werden, was die Verwaltung vereinfacht und die Kosten senkt. Auf Ebene der Fonds oder – im Falle von Umbrella-Strukturen – Teilfonds können Anteilsklassen definiert werden, was verschiedene Ausprägungsvarianten im selben Sondervermögen ermöglicht.

Anlegerschutz

Der Anlegerschutz am Fonds- und Finanzplatz Liechtenstein ist stark ausgeprägt. Einerseits bestehen drei Verteidigungslinien innerhalb der Unternehmung mit operativen Kontrollen durch den Administrator selber, auf der zweiten Verteidigungslinie durch das Risiko-Management, die Compliance und das Controlling und auf der dritten Verteidigungslinie durch die Innenrevision. Zusätzliche Parteien mit Kontroll- und Aufsichtsfunktionen sind die Verwahrstelle, der externe Wirtschaftsprüfer sowie die Finanzmarktaufsicht (FMA), die die Anlegerinteressen bestmöglich schützen.

Hohe Kundenorientierung der Behörden

Die liechtensteinischen Behörden arbeiten äusserst kundenorientiert und effizient, was sich in einer kurzen Time-to-Market für Fondspromotoren zeigt. Ausserdem sind in den Fondsgesetzen Maximalfristen vorgegeben, was die Planung vereinfacht.

Bankenkennzahlen

Die verwalteten Kundenvermögen der Banken in Liechtenstein (eingeschlossen ausländische Gruppen­gesellschaften) beliefen sich Ende 2016 auf CHF 234.8 Mrd. (Vorjahr: CHF 209.5 Mrd.) und haben damit einen neuen Höchststand erreicht. Davon wurden in Liechtenstein CHF 136.8 Mrd. verwaltet. Die Kernkapitalquote (Tier 1 Ratio) über alle Banken betrug per Jahresende 2016 21.6% und ist damit im internationalen Vergleich eine überdurchschnittliche Eigenmittelunterlegung (FMA Medienmitteilung, 12. Mai 2017).

Professionelles Umfeld

Durch die landeseigene Universität Liechtenstein, die Domizilierung von Liechtenstein im Drei-Länder-Eck und entsprechende Verträgen besteht guter Zugang zu hochqualifiziertem Personal. Die effizient organisierten Verbände ermöglichen eine optimale Wahrnehmung der Interessen des Finanzplatzes.

Nähe zum Finanzplatz Schweiz

Liechtenstein unterhält enge Verbindungen mit der Schweiz durch die Zoll-, Wirtschafts- und Währungsunion (stabiler Schweizer Franken).

Politische und wirtschaftliche Stabilität

Standard & Poor’s hat per 28. Juli 2017 erneut das Triple-A Rating mit stabilem Ausblick bestätigt. Standard & Poor’s hebt die positive Entwicklung der Landesrechnung sowie die gute Vermögenslage der Öffentlichen Haushalte positiv hervor. Darüber hinaus ist die liechtensteinische Wirtschaft breit diversifiziert und Industrie und produzierendes Gewerbe machen 40% des Bruttoinlandsprodukts aus (Quelle: Liechtensteiner Bankenverband, 2016). Rund 24% zur Bruttowertschöpfung tragen Banken, Vermögensverwalter, Fondsmanager, Treuhänder und Versicherer bei und generieren mehr als ein Drittel der Staatseinnahmen. Die Finanzdienstleistungsbranche beschäftigt rund 5‘000 qualifizierte Arbeitskräfte.

Konservativ-liberale Wirtschaftsordnung

Aufgrund der konservativ-liberalen Grundeinstellung der Bevölkerung und der Regierung nimmt der Staat nur wenige Eingriffe in den Wirtschaftskreislauf vor.

Unterschiede zwischen Liechtenstein und Luxemburg

Liechtenstein ist Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum und geniesst daher auch im Verhältnis zur EU die vier sogenannten „Grundfreiheiten“ (Warenverkehrsfreiheit, Personenfreizügigkeit, Dienstleistungsfreiheit sowie Kapital- und Zahlungsverkehrsfreiheit). Luxemburg ist Mitglied in der Europäischen Union und somit gänzlich zur Teilnahme an den politischen Strukturen und den Transfermechanismen der EU verpflichtet. Darüber hinaus ist die Währung Liechtensteins der stabile Schweizer Franken, was sich auch in der Stabilität des Landes wiederspiegelt. Für eine Ökonomie ist es zudem von Vorteil, wenn der Finanzplatz in einem vernünftigen Verhältnis zur Wirtschaftsleistung steht und der Wirtschaftsstandort breit diversifiziert ist. Liechtenstein hat eine sehr leistungsfähige Industrie die 40% der Bruttowertschöpfung ausmacht (Quelle: Liechtensteiner Bankenverband, 2016) mit Weltmarktführern wie Hilti (Bautechnologie), Thyssenkrupp Presta (Automobilzulieferer) oder auch Ivoclar Vivadent (Dentaltechnik) sowie weiteren. Luxemburgs Industrie macht rund 13% aus, der Dienstleistungssektor ist mit 87% sehr ausgeprägt und damit sehr einseitig fokussiert (Internetportal Luxemburg 2016). Als weiteres Merkmal hat Luxemburg rund 20% Staatsverschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt, Liechtenstein hingegen hat keine Staatsverschuldung sondern sogar Netto-Vermögenswerte.

Liechtenstein als Hochwertige Finanzjurisdiktion

Für mehr als 30 Jahre waren die Schlagwörter Steueroasen, Finanzhäfen und Offshore-Finanzzentren Grundlage für strittige Diskussionen in Hochsteuerländern. Seit ungefähr einer Dekade wurden die Massnahmen immer aggressiver. Es stellt sich jedoch die Frage, welche Jurisdiktionen damit genau gemeint sind. Liechtenstein ist keine Offshore-Finanzjurisdiktion im engeren Sinn.

„Ein Offshore-Finanzplatz ist ein Land oder eine Jurisdiktion welches Finanzdienstleistungen für Personen mit Auslandswohnsitz in einem Ausmass bereitstellt, welches in einem unangemessenen Verhältnis mit der Grösse und dem Finanzierungsbedarf der lokalen Wirtschaft steht.“[1]

„Das Dokument des Internationalen Währungsfonds streicht heraus, dass die Definition eines Offshore-Finanzplatzes auch für Grossbritannien sowie die Vereinigten Staaten von Amerika gelten würde, welche gewöhnlich als Onshore-Finanzplätze gelten, dies jedoch aufgrund Ihren grossen Populationen und den Teilnahmen an internationalen Organisationen wie den G20 und der OECD.“[2]

Liechtenstein war einer der ersten Implementierer des OECD Standards für automatischen Informationsaustausch für Finanzkontoinformationen und hat eine hocheffektive Finanz- und regulatorische Aufsicht entsprechend den Standards der Europäischen Union. Liechtenstein wird demnach nicht mehr als Offshore-Finanzjurisdiktion verstanden.

[1] International Monetary Fund, IMF working paper WP/07/87, Ahmed Zoromé: Concept of Offshore Financial Centers: In Search of an Operational Definition; April 2007; http://www.imf.org/external/pubs/ft/wp/2007/wp0787.pdf, retrieved on September 11, 2017.

[2] Wikipedia, https://en.wikipedia.org/wiki/Offshore_financial_centre; retrieved on September 11, 2017